Slogan: Einfach, flexibel, sinnvoll

Presse

Esslinger Zeitung vom 14.7.2009

Weich geführte Bläser und gut differenzierte Dynamik

ESSLINGEN: Mendelssohns „Lobgesang" im Münster St. Paul - Esslinger Kammerchor tut sich mit Exvocal zusammen

von Markus Dippold

Drei junge Dirigenten feierten im Münster St. Paul mit ihren Ensembles zwei musikalische Jubilare. Zwei Chöre und ein Orchester musizierten den „Lobgesang", die zweite Symphonie von Felix Mendelssohn Bartholdy. Ein schlichtes, punktiertes Motiv wird dabei zum Leitprinzip einer einstündigen sinfonischen Kantate. Majestätisch, aber flott im Tempo eröffnen die Posaunen den „Lobgesang" des Komponisten, dessen 200. Geburtstag die Musikwelt in diesem Jahr feiert. Für zwei Aufführungen dieses oratorischen Werks haben sich der Esslinger Kammerchor und der Kammerchor Exvocal zusammengetan. Eröffnet wird der „Lobgesang" mit drei sinfonischen Sätzen, in denen die Filderharmonie aus Ostfildern eindrucksvoll zeigt, dass auch ambitionierte Liebhaberorchester diese Musik realisieren können.

Hallige Akustik kommt entgegen

Der junge Dirigent Alexander Burda, der wie seine beiden Kollegen an der Stuttgarter Musikhochschule studiert hat, wählt für die ersten Sätze durchaus schnelle Tempi. Fingerfertig gleiten die Streicher souverän durch die motorisch anspruchsvollen Passagen, homogen wirkt das Klangbild mit weich geführten Bläsern und gut differenzierter Dynamik, die vor allem die vielen Akzente und plötzlichen Klangänderungen zur Geltung kommen lässt. Leider halten die Instrumentalisten dieses Niveau während des einstündigen Werks nicht ganz. Gegen Ende wird vor allem die Intonation deutlich getrübt. Aufhorchen lässt auch der erste Einsatz des Chors. Gut ausbalanciert in allen Stimmen und mit markantem Impetus erklingt „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn". Hörbar gut sind die beiden Esslinger Chöre von ihren Chorleitern vorbereitet worden. Mühelos schaffen die Sänger den Wechsel zwischen majestätischen, homophonen Abschnitten und den vielen Fugato-Stellen, bei denen die einzelnen Chorstimmen eigenständige Linien zu singen haben. Fabian Wöhrle, Dirigent des Esslinger Kammerchors, hilft den Sängern mit klarer Zeichengebung und deutlichem Nachzeichnen der vokalen Linie mit der linken Hand. Die hallige Akustik des Münsters St. Paul kommt vor allem den beiden Chören in diesem Stück entgegen und befördert den homogenen Charakter und die würdevolle Größe des Klangeindrucks. Im Gegenzug wurden manche filigranen Momente und virtuose Abschnitte nivelliert.
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Esslinger Zeitung vom 18.12.2007

Geschmackvolle Eleganz

von Markus Dippold

ES-Oberesslingen - Es ist ein hübscher und eindrücklicher Beginn des Konzerts. Langsam formieren sich die knapp zwanzig Sänger in drei Runden und umkreisen das Publikum. Vorne singen die Männer als Choralschola die gregorianische Melodie. Gemeinsam mit den antiphonal agierenden Frauenstimmen wird daraus ein dreistimmig-polyphones Geflecht, mit dem die Sänger des Kammerchors ExVocal das Publikum in der evangelischen Martinskirche in Oberesslingen umgeben. Chorsätze zur Weihnachtszeit hat der Chorleiter Stefan Hendel ausgewählt und zu thematischen Gruppen zusammengefasst. Dabei durchlaufen er und seine Sängerschar den liturgischen Schritt von der adventlichen Vorfreude über das Staunen an der Krippe bis hin zum Jubel über die Ankunft des Retters.
Vom gregorianischen Veni, veni, Emanuel über traditionelle Sätze wie Friedrich Silchers Bearbeitung des Adeste fideles bis hin zu englischsprachigen Gospels reicht das Spektrum. Und die Leichtigkeit, mit der sich der Kammerchor der stilistischen und sprachlichen Vielseitigkeit des Programms anpasst, ist erstaunlich. Rhythmische Flexibilität und ein transparenter Chorklang prägen das etwa einstündige Programm, bei dem selbst vielschichtige, rhythmisch ungemein komplexe Werke wie Hans Leo Hasslers Dixit Maria elegant und durchhörbar klingen.

Weiche Legatolinien
Sowohl in der Intonation als auch in den Klangfarben hat Stefan Hendel sein Ensemble hörbar gut vorbereitet, weiche Legatolinien bei Joseph, lieber Joseph mein sind ebenso überzeugend wie prägnantes und artikulatorisch durchgeformtes Singen in Johann Sebastian Bachs beinahe instrumental wirkendem Satz zu Vom Himmel hoch, da komm ich her. Die technische Sicherheit des kleinen Chores erlaubt es dem Dirigenten, gestalterische Linien zu formen, seine Sänger dynamisch anzuspornen oder Schlusswendungen geschmackvoll zu verzögern. Den Großteil des Programms hat Stefan Hendel dafür dem schier unerschöpflichen Repertoire des Barock entnommen, reiht Klassiker wie Händels Tochter Zion und Es ist ein Ros entsprungen im Satz von Michael Praetorius aneinander und verzichtet auch nicht auf Dauerbrenner wie Stille Nacht, heilige Nacht, bei dem er die Gratwanderung zwischen Sentimentalität und Kitsch locker bewältigt. Doch auch Experimente und Raritäten wie etwa Oskar Wermanns Ein Kindlein zart und The three drovers von William G. James finden Platz in diesem Konzert in der Oberesslinger Martinskirche, bei dem der Kammerchor ExVocal einmal mehr seine Qualität unter Beweis stellt.

Esslinger Zeitung vom 26.06.2007

Melancholischer Hauch

ES-OBERESSLINGEN: ExVocal singt Zigeunerweisen

Von Rainer Kellmayer

Die Musik der Sinti und Roma hat immer wieder große Komponisten zu bedeutenden Tonschöpfungen inspiriert: Insbesondere in der Romantik ist der Einfluss der Zigeunermusik auf Vokal- und Instrumentalkompositionen unverkennbar. So lag es nahe, dass der Chor ExVocal beim Konzert in der Oberesslinger Martinskirche Johannes Brahms ' „Zigeunerlieder op. 103" und „Zigeunerleben op. 29" von Robert Schumann ins Zentrum seines romantisch geprägten Programmes stellte. Im Organismus der Esslinger Chöre nimmt ExVocal eine Sonderrolle ein. Der Chor hat sich nicht in langer Tradition entwickelt, er besteht erst seit wenigen Jahren. Zum Ende ihrer Schulzeit am Esslinger Theodor-Heuss-Gymnasium beschlossen in den 90er Jahren einige Mitglieder des dortigen Kammerchores auch über die Schulzeit hinaus musikalisch zusammenzuarbeiten. Man gründete den Chor ExVocal, der inzwischen auf mehr als 20 Mitglieder angewachsen ist und sich zu einem respektablen Klangkörper entwickelt hat.

In einer Auswahl aus Brahms ' Zigeunerliedern überzeugte der Chor durch ungetrübte Höhenlagen der Soprane. So konnte sich „Wisst ihr, wann mein Kindchen" temperamentvoll entfalten, bei „Horch, der Wind klagt in den Zweigen" war ein Hauch von Melancholie zu spüren, und der Chorsatz „Weit und breit schaut niemand mich an" füllte mit energiegeladener Intensität den Kirchenraum. Stefan Hendel, der den Chor seit einigen Monaten leitet, führte seine Choristen mit ent-spannter, punktgenauer Gestik und sorgte in Schumanns „Zigeunerleben" für eine dynamisch durchstrukturierte Wiedergabe. Neben teils optimistischer Tonsprache, teils in ruhigem Melos fließenden Melodiesträngen in einer Auswahl der „Klänge aus Mähren" von Antonin Dvorak demonstrierte ExVocal bei Schumanns „Jägerlied" ausgefeilte A-cappella-Tugenden: Der Klang war von kristallklarer Brillanz und sauberer Intonation der Harmoniefolgen geprägt. Hier schloss sich „Schön Rohtraut" mit wunderschön abphrasierten Endungen nahtlos an. Als Partner agierte am Klavier Constantin Servatius, Student an der Stuttgarter Musikhochschule. Er gab dem Schubert-Chorsatz „Lebenslust" ebenso das instrumentale Fundament wie er in Schumanns Lied „Beim Abschied zu singen" den Chor harmonisch stützte. Doch ganz in seinem Element war Servatius erst beim solistischen Vortrag einiger Sätze aus dem Tanzzyklus „Carnaval op. 9" von Robert Schumann. Obwohl statt des eigentlich notwendigen Konzertflügels nur ein Klavier zur Verfügung stand, gab er durch mannigfache Anschlagsvarianten jedem Satz eigenes Kolorit, ließ die Töne virtuos flirren und brachte die Melodielinien mit Delikatesse zum Singen.

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